Scope 1, 2 und 3 Emissionen erklärt: Definition, Beispiele und Berechnung

Wenn Sie als Verantwortlicher vor der Aufgabe stehen, die Emissionen Ihres Unternehmens zu erfassen, kennen Sie die Herausforderungen nur zu gut: Wo fängt man an? Welche Emissionen gehören wohin? Und was genau muss man alles dokumentieren und berichten?

Dieser Leitfaden gibt Ihnen klare Antworten – Scope für Scope.

8 Min.
29. Juni 2026
Scope 1, 2 und 3
Scope 1, 2 und 3 Emissionen erklärt: Definition, Beispiele und Berechnung
16:16
Was sind Scope 1, 2 und 3 Emissionen?

Die drei Scopes teilen Treibhausgasemissionen nach ihrer Entstehung und Verantwortlichkeit ein. Das GHG Protocol, welches vom World Resources Institute (WRI) und dem World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) entwickelt wurde, hat diese Systematik als internationalen Standard etabliert. (GHG Protocol, 2004)

Scope 1 umfasst direkte Emissionen aus eigenen Anlagen, Scope 2 die indirekten Emissionen aus eingekaufter Energie und Scope 3 alle weiteren indirekten Emissionen entlang der Wertschöpfungskette (GHG Protocol, 2004). Diese Einteilung bildet die Grundlage jeder CO₂-Bilanz für Unternehmen und ist zentral für die Erfüllung regulatorischer Pflichten wie der CSRD (Europäische Union, 2022). 

Die Logik dahinter: Nicht alle Emissionen entstehen am eigenen Standort, viele fallen in der Lieferkette, beim Energiebezug oder bei der Nutzung verkaufter Produkte an. Die Scope-Einteilung macht diese Unterschiede sichtbar und sorgt dafür, dass Emissionen nicht doppelt gezählt oder übersehen werden.

Scope Art Kurzbezeichnung Typischer Anteil
Scope 1 Direkte Emissionen Eigene Quellen 5–20 %
Scope 2 Indirekte Emissionen Eingekaufte Energie 5–15 %
Scope 3 Indirekte Emissionen Wertschöpfungskette 70–90 %

Quelle: Eigene Darstellung nach GHG Protocol, 2004; GHG Protocol, 2011

Für die Bilanzierung orientieren sich Unternehmen an zwei zentralen Rahmenwerken: dem GHG Protocol Corporate Standard und der Norm DIN EN ISO 14064-1.

Das Greenhouse Gas Protocol – der internationale Standard

Das Greenhouse Gas Protocol ist das weltweit meistgenutzte Rahmenwerk zur Bilanzierung von Treibhausgasemissionen. Es wurde erstmals im Jahr 2001 veröffentlicht und bildet die Grundlage für nationale und internationale Berichtspflichten (GHG Protocol, 2001).

Warum ist das GHG Protocol relevant für Ihr Unternehmen?

Drei Gründe machen das GHG Protocol zum De-facto-Standard:

  1. Regulatorische Grundlage: Die CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive) der EU verweist bei der Emissionsbilanzierung auf die Scope-Systematik des GHG Protocol (Europäische Union, 2022).
  2. Vergleichbarkeit: Kunden, Investoren und Geschäftspartner erwarten Emissionsdaten nach einem einheitlichen Standard.
  3. Methodische Tiefe: Der GHG Protocol Corporate Value Chain Standard liefert für alle 15 Scope-3-Kategorien detaillierte Berechnungsanleitungen (GHG Protocol, 2011).

Neben dem GHG Protocol kommt in Europa häufig die Norm ISO 14064 zum Einsatz. ISO 14064-1 definiert Anforderungen an die Quantifizierung und Berichterstattung von Treibhausgasemissionen auf Organisationsebene. Die beiden Standards ergänzen sich: Das GHG Protocol gibt die methodische Struktur vor, ISO 14064 setzt den normativen Rahmen.

 

Treibhausgasemissionen nach dem GHG

Scope 1 – Direkte Emissionen aus eigenen Quellen

Definition: Was gehört zu Scope 1?

Scope-1-Emissionen entstehen direkt in Anlagen und Fahrzeugen, die Ihr Unternehmen besitzt oder kontrolliert. Das GHG Protocol bezeichnet sie als „direct GHG emissions from sources that are owned or controlled by the company" (GHG Protocol, 2004, S. 27).

Das Umweltbundesamt definiert Scope-1-Emissionen als direkte Emissionen aus der Verbrennung fossiler Energieträger sowie Prozessemissionen und Verflüchtigungen (UBA, 2025).

Beispiele für Scope-1-Emissionen in Unternehmen

  • Heizungsanlagen: Erdgas- oder Ölkessel zur Beheizung von Produktionshallen und Büros
  • Produktionsprozesse: Prozessbedingte Emissionen, etwa bei der Zement- oder Stahlherstellung
  • Firmenfahrzeuge: Diesel- oder Benzinverbrauch des eigenen Fuhrparks
  • Kältemittel: Verflüchtigung von fluorierten Gasen aus Klimaanlagen
  • Notstromaggregate: Dieselgeneratoren für die Notversorgung

Wie berechnen Sie Scope-1-Emissionen?

Die Berechnung folgt einer klaren Formel:

Aktivitätsdaten × Emissionsfaktor = CO₂-Äquivalente

Für Scope 1 bedeutet das: Sie erfassen den Verbrauch fossiler Brennstoffe (in kWh, Litern oder Kubikmetern) und multiplizieren diesen mit dem jeweiligen Emissionsfaktor. Das UBA stellt seit 2025 eine einheitliche Emissionsfaktorenliste für Organisationen bereit, die standardisierte Werte für die gängigsten Brennstoffe enthält (UBA, 2025).

Praxistipp: Beginnen Sie mit den Energierechnungen. Dort finden Sie Verbrauchsdaten für Erdgas und Heizöl – die häufigsten Scope-1-Quellen in produzierenden Unternehmen.

Scope 2 – Indirekte Emissionen aus eingekaufter Energie

Definition: Was gehört zu Scope 2?

Scope 2 erfasst indirekte Emissionen, die bei der Erzeugung von eingekaufter Energie entstehen. Dazu zählen Strom, Fernwärme, Fernkälte und Dampf. Die Emissionen entstehen nicht an Ihrem Standort, sondern beim Energieversorger – Sie verursachen sie aber durch Ihren Energiebezug.

Das Umweltbundesamt beschreibt Scope-2-Emissionen als energiebedingte indirekte Emissionen aus eingekaufter Energie (UBA, o. J.).

Beispiele für Scope-2-Emissionen

  • Strombezug: Emissionen aus der Stromerzeugung für Ihren Betrieb
  • Fernwärme: CO₂ aus der Wärmeerzeugung im Heizkraftwerk
  • Druckluft und Dampf: Extern bezogene Prozessenergie

Market-based vs. Location-based: Zwei Berechnungsmethoden

Das GHG Protocol Scope 2 Guidance schreibt zwei parallele Berechnungsmethoden vor (GHG Protocol, 2004):

Methode Grundlage Wann relevant?
Location-based Durchschnittlicher Emissionsfaktor des Stromnetzes Für Standortvergleiche und nationale Berichterstattung
Market-based Emissionsfaktor des gewählten Stromtarifs Für die Abbildung aktiver Beschaffungsentscheidungen (z. B. Grünstrom)

Für Sie konkret: Beziehen Sie bereits Grünstrom oder Fernwärme aus erneuerbaren Quellen? Dann reduziert sich Ihr Scope-2-Wert nach der Market-based-Methode deutlich. Genau hier setzt eine strategische Energiebeschaffung an.

Wir bei MVV Enamic unterstützen Unternehmen dabei, ihren Energiebezug klimafreundlicher zu gestalten – von der Analyse bis zur Umsetzung. Eine Veränderung der Energiequelle wirkt sich direkt auf Ihre Scope-2-Bilanz aus.

mvv-logo-quadrat
Jetzt unverbindlich beraten lassen
Kontakt aufnehmen

Scope 3 – Alle weiteren indirekten Emissionen

Definition: Was gehört zu Scope 3?

Scope-3-Emissionen umfassen alle indirekten Emissionen, die in der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette eines Unternehmens entstehen, also außerhalb von Scope 1 und 2. Das GHG Protocol beschreibt sie als „all other indirect emissions that occur in a company's value chain" (GHG Protocol, 2011).

Für viele Unternehmen ist Scope 3 die mit Abstand größte Emissionsquelle. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass gerade Scope-3-Emissionen aus vorgelagerten Prozessen (wie der Materialherstellung) oder nachgelagerten Prozessen (wie der Abfallentsorgung) häufig fehlen oder unvollständig erfasst werden (UBA, o. J.).

Diese Sorge ist berechtigt: Die Datenbeschaffung entlang der Lieferkette ist komplex. Doch es gibt methodische Ansätze, die den Einstieg erleichtern.

Die 15 Scope-3-Kategorien im Überblick

Das GHG Protocol unterteilt Scope 3 in 15 Kategorien, acht vorgelagerte (Upstream) und sieben nachgelagerte (Downstream) (GHG Protocol, 2011).

Vorgelagerte Emissionen (Upstream)

Kat. Bezeichnung Beispiel
1 Eingekaufte Güter und Dienstleistungen Rohstoffe, Büromaterial, IT-Dienstleistungen
2 Kapitalgüter Maschinen, Gebäude, Fahrzeuge
3 Brennstoff- und energiebezogene Emissionen Vorkette der Energiebereitstellung
4 Transport und Verteilung (vorgelagert) Anlieferung von Rohstoffen
5 Abfall im Betrieb Entsorgung und Recycling
6 Geschäftsreisen Flüge, Bahnfahrten, Hotelübernachtungen
7 Pendeln der Mitarbeitenden Arbeitsweg der Belegschaft
8 Gemietete oder geleaste Sachanlagen Emissionen aus angemieteten Gebäuden

 

Nachgelagerte Emissionen (Downstream)

Kat. Bezeichnung Beispiel
9 Transport und Verteilung (nachgelagert) Auslieferung an Kunden
10 Verarbeitung verkaufter Produkte Weiterverarbeitung beim Kunden
11 Nutzung verkaufter Produkte Energieverbrauch bei der Produktnutzung
12 Entsorgung verkaufter Produkte End-of-Life der eigenen Produkte
13 Vermietete oder geleaste Sachanlagen Emissionen vermieteter Anlagen
14 Franchises Emissionen in Franchise-Betrieben
15 Investitionen Emissionen finanzierter Unternehmen

Warum Scope 3 oft 70–90 % der Gesamtemissionen ausmacht

Bei produzierenden Unternehmen dominieren in der Regel die Kategorien 1 (eingekaufte Güter) und 11 (Nutzung verkaufter Produkte). Ein Automobilhersteller etwa verursacht den Großteil seiner Emissionen nicht in der Fabrik, sondern durch den Kraftstoffverbrauch der verkauften Fahrzeuge (GHG Protocol, 2011).

Für Industrieunternehmen mit energieintensiver Produktion verschiebt sich das Bild: Hier gewinnen Scope 1 und 2 an Gewicht, während Scope 3 trotzdem den größten Anteil hält – vor allem durch eingekaufte Materialien.

Scope-3-Emissionen berechnen – Herausforderungen und Lösungen

Die Berechnung von Scope-3-Emissionen stellt Unternehmen vor drei zentrale Herausforderungen:

  1. Datenverfügbarkeit: Nicht alle Lieferanten können spezifische Emissionsdaten liefern.
  2. Methodenwahl: Für jede Kategorie existieren verschiedene Berechnungsansätze – vom ausgabenbasierten Ansatz bis zu lieferantenspezifischen Daten.
  3. Wesentlichkeit: Nicht jede der 15 Kategorien ist für jedes Unternehmen relevant.

Das GHG Protocol Scope 3 Calculation Guidance bietet für jede Kategorie eine Hierarchie der Berechnungsmethoden – von groben Schätzwerten bis zu präzisen Primärdaten.

Unser Praxistipp: Starten Sie mit einer Screening-Analyse. Identifizieren Sie die drei bis fünf Kategorien mit dem höchsten Emissionsanteil. Verfeinern Sie dort zuerst Ihre Datenbasis. Ein perfekter Scope 3 auf Anhieb ist nicht das Ziel – ein solider Startpunkt schon.

Welche Scopes sind für Ihr Unternehmen verpflichtend?

CSRD und ESRS: Die europäische Berichtspflicht

Mit der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) hat die EU eine verbindliche Nachhaltigkeitsberichterstattung eingeführt (Europäische Union, 2022). Der zugehörige European Sustainability Reporting Standard ESRS E1 „Klimawandel" verlangt die Offenlegung von Scope-1-, Scope-2- und wesentlichen Scope-3-Emissionen.

Für Unternehmen bedeutet das konkret:

  • Scope 1 und 2 müssen vollständig berichtet werden.
  • Scope 3 ist nach Wesentlichkeitsanalyse zu berichten. Unternehmen mit bis zu 750 Mitarbeitenden dürfen Scope 3 im ersten Berichtsjahr auslassen (Europäische Union, 2022).

Ob Ihr Unternehmen bereits unter die CSRD fällt, erfahren Sie in unserem Artikel zur CSRD-Richtlinie.

Auch ohne Pflicht: Freiwillige Bilanzierung zahlt sich aus

Selbst wenn Ihr Unternehmen noch nicht berichtspflichtig ist: Kunden und Geschäftspartner fragen zunehmend nach Emissionsdaten. Wer proaktiv bilanziert, stärkt das Vertrauen in Geschäftsbeziehungen und erkennt Einsparpotenziale frühzeitig.

Von der Bilanz zur Reduktion: So gehen Sie die nächsten Schritte an

Die Erfassung Ihrer Scope 1, 2 und 3 Emissionen ist der Startpunkt – nicht das Ziel. Aus der Bilanz leiten Sie konkrete Maßnahmen ab:

  1. Scope 1 reduzieren: Heizungsanlagen modernisieren, Prozesse elektrifizieren, Fuhrpark umstellen.
  2. Scope 2 optimieren: Grünstrom beziehen, Fernwärme nutzen, Eigenversorgung durch PV-Anlagen ausbauen.
  3. Scope 3 beeinflussen: Lieferanten in die Pflicht nehmen, Produktdesign anpassen, Transportwege verkürzen.

Wir bei MVV Enamic begleiten Unternehmen auf diesem Weg – von der ersten CO₂-Bilanz über den Corporate Carbon Footprint bis zur Umsetzung konkreter Reduktionsmaßnahmen. Sprechen Sie uns an – gemeinsam finden wir den passenden Einstieg für Ihr Unternehmen.

mvv-logo-quadrat
Jetzt unverbindlich beraten lassen
Kontakt aufnehmen

Fazit

Die Einteilung in Scope 1, 2 und 3 wirkt auf den ersten Blick technisch. Doch sie löst ein konkretes Problem: Sie macht sichtbar, wo Emissionen entstehen und wo Sie konkret ansetzen können. Scope 1 liegt direkt in Ihrer Hand. Bei Scope 2 entscheidet Ihre Energiebeschaffung. Und Scope 3 zeigt, wie eng Klimaschutz mit Lieferketten und Produktdesign verknüpft ist.

Zwischen Kostendruck, regulatorischen Anforderungen und Kundenerwartungen einen klaren Weg zu finden, ist wahrlich keine leichte Aufgabe. Doch der erste Schritt muss nicht gleich perfekt sein. Wer mit einer soliden Scope-1- und Scope-2-Bilanz startet und Scope 3 schrittweise ergänzt, baut eine belastbare Datenbasis auf. Daraus entstehen konkrete Hebel für Kostensenkung und Wettbewerbsfähigkeit.

Wir bei MVV Enamic begleiten Unternehmen genau an diesem Punkt: von der ersten Bestandsaufnahme bis zur gezielten Reduktion. Sie müssen das nicht allein lösen.


FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Scope 1, 2 und 3 Emissionen

Was ist der Unterschied zwischen Scope 1, Scope 2 und Scope 3 Emissionen?

Scope 1 umfasst direkte Emissionen aus eigenen Anlagen und Fahrzeugen. Scope 2 betrifft indirekte Emissionen aus eingekaufter Energie wie Strom und Fernwärme. Scope 3 deckt alle weiteren indirekten Emissionen in der Wertschöpfungskette ab – von eingekauften Materialien bis zur Nutzung verkaufter Produkte (GHG Protocol, 2004).

Warum machen Scope-3-Emissionen den größten Anteil aus?

Scope 3 umfasst die gesamte vor- und nachgelagerte Wertschöpfungskette eines Unternehmens. Eingekaufte Rohstoffe, Logistik und die Nutzung verkaufter Produkte verursachen in der Regel deutlich mehr Emissionen als der eigene Betrieb. Das GHG Protocol unterteilt Scope 3 in 15 Kategorien, um diese Vielfalt systematisch zu erfassen (GHG Protocol, 2011).

Müssen Unternehmen Scope 3 Emissionen berichten?

Ja, die CSRD verpflichtet berichtspflichtige Unternehmen zur Offenlegung wesentlicher Scope-3-Emissionen nach ESRS E1. Unternehmen mit bis zu 750 Mitarbeitenden erhalten eine Übergangsfrist für das erste Berichtsjahr (Europäische Union, 2022).

Wie berechne ich Scope 1, 2 und 3 Emissionen für mein Unternehmen?

Die Berechnung folgt dem Prinzip: Aktivitätsdaten × Emissionsfaktor = CO₂-Äquivalente. Für Scope 1 nutzen Sie Verbrauchsdaten eigener Brennstoffe. Für Scope 2 die Stromrechnung und den Emissionsfaktor Ihres Tarifs. Für Scope 3 bietet das GHG Protocol Scope 3 Calculation Guidance verschiedene Berechnungsmethoden je Kategorie (GHG Protocol, 2013). Das UBA stellt eine Emissionsfaktorenliste bereit, die standardisierte Werte für Scope 1 und Scope 2 liefert (UBA, 2025).

Back to top

 

 

Topics: Klimaschutzmanagement
Inhaltsverzeichnis