Was ist SBTi? – Definition und Überblick
SBTi steht für Science Based Targets Initiative. Die Initiative ist eine gemeinnützige Organisation, die Unternehmen und Finanzinstitutionen befähigt, ihren Beitrag zur Bekämpfung der Klimakrise zu leisten (SBTi, 2026). Sie entwickelt Standards, Werkzeuge und Leitlinien, mit denen Unternehmen ihre Treibhausgasemissionen (THG-Emissionen) im Einklang mit den neuesten Erkenntnissen der Klimawissenschaft senken können.
Die SBTi wurde 2015 gegründet und wird von fünf Partnerorganisationen getragen (SBTi, 2026):
- CDP (ehemals Carbon Disclosure Project)
- United Nations Global Compact
- We Mean Business Coalition
- World Resources Institute (WRI)
- WWF
Das zentrale Ziel: Unternehmen sollen ihre Emissionen so reduzieren, dass die Erderwärmung auf maximal 1,5°C begrenzt wird, wie im Pariser Klimaabkommen festgelegt. Wissenschaftsbasierte Ziele (Science Based Targets) bieten dafür einen klar definierten Reduktionspfad (SBTi, 2026).
Warum ist SBTi für Unternehmen relevant?
Die Frage ist längst nicht mehr, ob Unternehmen Klimaziele setzen sollten. Sondern wie schnell und wie ambitioniert. Mehrere Entwicklungen machen SBTi für Geschäftsführer, Nachhaltigkeitsverantwortliche und Energiemanager besonders relevant:
Regulatorischer Druck wächst. Mit der CSRD-Richtlinie müssen immer mehr Unternehmen in der EU über ihre Nachhaltigkeitsleistung berichten. SBTi-validierte Ziele liefern dafür einen anerkannten Rahmen.
Investoren erwarten Klimastrategien. Institutionelle Anleger bewerten Unternehmen zunehmend nach ESG-Kriterien (Environmental, Social, Governance). Ein validiertes SBTi-Ziel signalisiert Ernsthaftigkeit.
Kunden und Lieferketten fordern Transparenz. Große Unternehmen mit SBTi-Zielen verlangen auch von ihren Zulieferern glaubwürdige Reduktionspläne. Ørsted beispielsweise fordert seine Lieferanten auf, eigene SBTi-Ziele zu setzen (SBTi, 2026).
Der wirtschaftliche Vorteil ist messbar. Unternehmen, die sich wissenschaftsbasierte Ziele setzen, profitieren laut SBTi bereits von Umsatzwachstum, stärkerer Resilienz und besserer Marktpositionierung (SBTi, 2026).
Zwischen Kostendruck und Nachhaltigkeitszielen den richtigen Weg zu finden, ist keine leichte Aufgabe. SBTi bietet dafür einen strukturierten, wissenschaftlich fundierten Rahmen.
Wie funktioniert SBTi? – Der Prozess im Überblick
Der Weg zu einem validierten SBTi-Ziel folgt einem klar definierten Prozess. Die SBTi unterscheidet dabei zwei Haupttypen von Zielen: Near-Term Targets (kurzfristige Ziele für die nächsten 5–10 Jahre) und Net-Zero Targets (langfristige Ziele bis spätestens 2050) (SBTi, 2026).

Schritt 1 – Commitment einreichen
Das Unternehmen erklärt öffentlich seine Absicht, wissenschaftsbasierte Ziele zu setzen. Dieses Commitment wird auf dem SBTi Target Dashboard veröffentlicht. Ab diesem Zeitpunkt hat das Unternehmen 24 Monate Zeit, seine Ziele zur Validierung einzureichen (SBTi, 2026).
Schritt 2 – Emissionen messen (Scope 1, 2 und 3)
Bevor Ziele gesetzt werden können, muss das Unternehmen seine Treibhausgasemissionen erfassen. Die Emissionen werden in drei Kategorien unterteilt – die sogenannten Scopes:
| Scope | Beschreibung | Beispiele |
|---|---|---|
| Scope 1 | Direkte Emissionen aus eigenen Anlagen und Fahrzeugen | Gasheizung, Fuhrpark, Produktionsprozesse |
| Scope 2 | Indirekte Emissionen aus eingekaufter Energie | Strombezug, Fernwärme |
| Scope 3 | Alle übrigen indirekten Emissionen entlang der Wertschöpfungskette | Zulieferer, Geschäftsreisen, Produktnutzung, Entsorgung |
Scope-3-Emissionen machen bei vielen Unternehmen den größten Anteil aus. Ihre Erfassung ist anspruchsvoll – aber entscheidend für ein glaubwürdiges Klimaziel. Eine solide CO₂-Bilanz bildet dafür die Grundlage.
Schritt 3 – Ziele entwickeln und einreichen
Auf Basis der Emissionsdaten entwickelt das Unternehmen seine Reduktionsziele. Dafür stellt die SBTi verschiedene Methoden und Werkzeuge bereit (SBTi, 2026):
- Near-Term Targets: Emissionsreduktion über die nächsten 5–10 Jahre. Sie definieren, wie schnell das Unternehmen seine Emissionen senken muss.
- Net-Zero Targets: Langfristige Ziele, die tiefgreifende Emissionsreduktionen bis spätestens 2050 vorsehen – ergänzt durch kurzfristige Zwischenziele.
Schritt 4 – Validierung durch SBTi
Die eingereichten Ziele werden von SBTi Services – der Validierungseinheit der SBTi – geprüft (SBTi, 2026). Die Validierung bestätigt, dass die Ziele ambitioniert genug sind und den Anforderungen der SBTi-Standards entsprechen. Nach erfolgreicher Prüfung werden die Ziele öffentlich auf dem Target Dashboard publiziert.
Schritt 5 – Umsetzung und Berichterstattung
Nach der Validierung beginnt die eigentliche Arbeit: die Umsetzung der Reduktionsmaßnahmen. Unternehmen berichten jährlich über ihre Fortschritte. Alle fünf Jahre müssen die Ziele überprüft und gegebenenfalls aktualisiert werden (SBTi, 2025).
SBTi-Anforderungen – Was müssen Unternehmen erfüllen?
Die SBTi hat klare Kriterien definiert, die Unternehmen bei der Zielsetzung einhalten müssen. Die wichtigsten Anforderungen im Überblick (SBTi, 2025):
Scope 1 und Scope 2: Unternehmen müssen für ihre direkten Emissionen (Scope 1) und ihren Energiebezug (Scope 2) verbindliche Reduktionsziele setzen. Diese müssen einem 1,5-°C-Pfad entsprechen.
Scope 3: Wenn die Scope-3-Emissionen mehr als 40 % der gesamten Emissionen ausmachen, muss das Unternehmen auch für diesen Bereich Ziele definieren (SBTi, 2025). Angesichts der Tatsache, dass Scope 3 bei den meisten Unternehmen den größten Emissionsanteil darstellt, betrifft diese Anforderung die Mehrheit der Unternehmen.
Near-Term vs. Net-Zero Targets: Die SBTi unterscheidet zwischen kurzfristigen Zielen (Near-Term Targets mit einem Zeithorizont von 5–10 Jahren) und langfristigen Net-Zero-Zielen. Beide Zieltypen können unabhängig voneinander oder gemeinsam eingereicht werden.
Basisjahr: Die Emissionsdaten dürfen nicht älter als zwei Jahre sein. Für Einreichungen im Jahr 2025 müssen die Daten aus 2023 oder 2024 stammen (SBTi, 2025).
SBTi Net Zero Standard – Was steckt dahinter?
Der Corporate Net-Zero Standard ist das Flaggschiff-Regelwerk der SBTi. Er wurde 2021 erstmals veröffentlicht und definiert, was Unternehmen tun müssen, um bis spätestens 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen (SBTi, 2026).
Im September 2025 hat die SBTi die Version 1.3 des Net-Zero Standards veröffentlicht (SBTi, 2025). Gleichzeitig befindet sich die Version 2.0 in der öffentlichen Konsultation – ein Hinweis darauf, dass der Standard kontinuierlich weiterentwickelt wird (SBTi, 2025).
Der Unterschied zwischen „klimaneutral" und „Net Zero nach SBTi":
| Klimaneutralität (konventionell) | Net Zero nach SBTi | |
|---|---|---|
| Ansatz | Kompensation durch Zertifikate | Tatsächliche Emissionsreduktion um 90–95 % |
| Restemissionen | Offsetting erlaubt | Nur für verbleibende 5–10 % der Emissionen |
| Wissenschaftsbasis | Nicht zwingend | 1,5-°C-Pfad vorgeschrieben |
| Zeitrahmen | Variabel | Spätestens 2050 |
Net Zero nach SBTi bedeutet also: Erst die Emissionen so weit wie möglich senken – und nur die unvermeidbaren Restemissionen durch dauerhafte CO₂-Entnahme neutralisieren. Reine Kompensation reicht nicht aus.
Welche Unternehmen nutzen SBTi bereits?
Die Dynamik ist beeindruckend: Im Januar 2026 hat die SBTi den Meilenstein von 10.000 Unternehmen mit validierten Zielen erreicht (SBTi, 2026). Zum Vergleich: 2021 waren es erst 1.000 Unternehmen. Allein im Jahr 2025 wurden mehr als 2.800 neue Unternehmen validiert (SBTi, 2026).
Diese 10.000 Unternehmen repräsentieren zusammen mehr als 40 % der globalen Marktkapitalisierung (SBTi, 2026). Sie stammen aus über 90 Ländern und nahezu allen Branchen.
Regionale Verteilung: Japan führt die Rangliste mit über 2.000 validierten Unternehmen an, gefolgt von Großbritannien, den USA und China (SBTi, 2026).
Bekannte Unternehmen mit SBTi-Zielen sind unter anderem Arsenal Football Club, Danone, ING, Lenovo, McLaren Racing und Ørsted (SBTi, 2026). Auch im Energiesektor setzen sich Versorger und Industrieunternehmen zunehmend SBTi-Ziele.
SBTi und Energieversorgung – Was bedeutet das für Ihren Betrieb?
Für produzierende Unternehmen und Gewerbeimmobilien spielt der Energiebezug eine zentrale Rolle bei der CO₂-Reduktion. Denn Scope-2-Emissionen – also die Emissionen aus eingekauftem Strom und Wärme – lassen sich oft schneller und gezielter senken als Scope-1- oder Scope-3-Emissionen.
Lesen Sie weitere Artikel von uns zu den Hebeln:
- Grünstrom beziehen: Power Purchase Agreements
- Energieeffizienz steigern: Energieeffizienzgesetz (EnEfG)
- Dekarbonisierung der Wärmeversorgung: Dekarbonisierungsstrategien für Gewerbeimmobilien
- Product Carbon Footprint ermitteln: Product Carbon Footprint (PCF)
Wir bei MVV Enamic wissen aus vielen Gesprächen mit Unternehmen: Die Herausforderung liegt oft nicht am Ziel, sondern am Weg dorthin. Es gibt machbare Schritte – und kompetente Partner, die Sie dabei begleiten, sprechen Sie uns an.
Fazit – SBTi als strategischer Rahmen für Klimaziele
Die Science Based Targets Initiative hat sich als weltweit anerkannter Standard für unternehmerischen Klimaschutz etabliert. 10.000 Unternehmen mit validierten Zielen zeigen: Wissenschaftsbasierte Klimaziele sind kein Nischenthema mehr, sondern wirtschaftliche Realität.
Für Ihr Unternehmen bedeutet SBTi:
- Klarheit: Ein strukturierter Prozess von der Emissionsmessung bis zur Validierung.
- Glaubwürdigkeit: Extern geprüfte Ziele, die Investoren, Kunden und Regulierern standhalten.
- Zukunftssicherheit: Wer heute handelt, ist auf regulatorische Verschärfungen vorbereitet.
Der Einstieg erfordert Aufwand – bei der CO₂-Bilanzierung, der Zielsetzung und der Umsetzung. Doch die Erfahrung zeigt: Unternehmen, die diesen Weg gehen, profitieren langfristig. Und der Energiebezug bietet als Scope-2-Hebel oft den schnellsten Einstieg.
Sie möchten Ihre Energiestrategie auf SBTi-Ziele ausrichten? Wir bei MVV Enamic unterstützen Sie mit passgenauen Lösungen – von Grünstrom über Energieeffizienz bis zur CO₂-Bilanzierung. Sprechen Sie uns an.
Häufige Fragen zu SBTi (FAQ)
Ist SBTi verpflichtend?
Nein, SBTi ist ein freiwilliger Standard. Allerdings steigt der indirekte Druck: Die CSRD-Berichtspflicht, Investorenanforderungen und Erwartungen von Geschäftspartnern machen wissenschaftsbasierte Klimaziele zunehmend zur Voraussetzung für Geschäftsbeziehungen.
Was kostet die SBTi-Validierung?
Die Kosten hängen von der Unternehmensgröße und dem Zieltyp ab. Für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) beträgt die Validierungsgebühr 1.250 USD (SBTi, 2023). Für größere Unternehmen liegen die Kosten je nach Einreichungstyp zwischen 1.000 und 14.500 USD (SBTi Services, 2025). KMU aus Entwicklungsländern mit weniger als 10 Mio. USD Umsatz können eine Gebührenbefreiung beantragen (SBTi, 2023).
Wie lange dauert der SBTi-Prozess?
Vom Commitment bis zur Validierung stehen Unternehmen 24 Monate zur Verfügung (SBTi, 2026). Die tatsächliche Dauer hängt maßgeblich von der Verfügbarkeit der Emissionsdaten und der internen Kapazität ab.
Nach Einreichung der Ziele dauert die Prüfung durch SBTi Services in der Regel bis zu 12 Wochen (SBTi, 2026). Erfahrungswerte zeigen, dass allein die Erhebung einer vollständigen CO₂-Bilanz über alle drei Scopes mehrere Monate in Anspruch nehmen kann. Für größere Unternehmen ergibt sich damit in der Praxis folgende Orientierung:
- Datenerhebung und CO₂-Bilanz (Scope 1–3): 3–6 Monate
- Zielentwicklung und interne Abstimmung: 3–4 Monate
- Prüfung durch SBTi Services: ca. 12 Wochen
Unternehmen, die den Prozess strukturiert angehen und frühzeitig mit der Datenbasis arbeiten, können die verfügbare Zeit von 24 Monaten realistisch einhalten.
Was ist der Unterschied zwischen SBTi und CO₂-Neutralität?
CO₂-Neutralität kann allein durch Kompensation – also den Kauf von Emissionszertifikaten – erreicht werden. SBTi-Ziele erfordern dagegen eine tatsächliche Emissionsreduktion um 90–95 % entlang eines wissenschaftsbasierten Pfads (SBTi, 2021). Kompensation ist nur für die verbleibenden 5–10 % der Restemissionen vorgesehen.
SBTi stellt sicher, dass Ziele und Strategie auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen. Die Gefahr von Greenwashing steigt hingegen bei einer unvalidierten Zielsetzung. Wenn Klimaziele nicht von einer unabhängigen Instanz wie der SBTi validiert werden, können Stakeholder sie schnell als wenig robust, schwer nachvollziehbar und damit deutlich weniger vertrauenswürdig einstufen.
Gilt SBTi auch für kleine und mittlere Unternehmen (KMU)?
Ja. Die SBTi bietet einen vereinfachten Validierungsweg für KMU. Voraussetzung: Das Unternehmen hat weniger als 10.000 t CO₂e über Scope 1 und Scope 2, beschäftigt weniger als 250 Mitarbeitende, hat einen Umsatz unter 50 Mio. Euro und eine Bilanzsumme unter 25 Mio. Euro. Mindestens drei dieser Kriterien müssen erfüllt sein (SBTi, 2023).
Quellenverzeichnis
- SBTi (2026): About us – Science Based Targets Initiative. (abgerufen am 04.03.2026)
- SBTi (2026): Corporate climate action momentum builds as SBTi reaches 10,000 companies with validated targets. (abgerufen am 04.03.2026)
- SBTi (2026): How to set science-based targets. (abgerufen am 04.03.2026)
- SBTi (2025): Corporate Net-Zero Standard V1.3. (abgerufen am 04.03.2026)
- SBTi (2025): Corporate Near-Term Criteria Version 5.3. (abgerufen am 04.03.2026)
- SBTi (2025): Corporate Net-Zero Standard V1.3 – Criteria. (abgerufen am 04.03.2026)
- SBTi (2023): SBTi Announces Updated SME Definition and Fees. (abgerufen am 04.03.2026)
- SBTi Services (2025): Target Validation Service Offerings V6.1. (abgerufen am 04.03.2026)
- SBTi (2021): The Corporate Net-Zero Standard. (abgerufen am 04.03.2026)



