Netzentgelte sind Gebühren für die Nutzung der Stromnetze. In Deutschland machen sie einen erheblichen Teil der Stromkosten aus. Haushalte zahlen in der Regel nur den Arbeitspreis. Ab einer jährlichen Entnahme von mehr als 100.000 kWh werden Letztverbraucher jedoch dem Bereich der registrierenden Leistungsmessung (RLM) zugeordnet (Bundesnetzagentur, Definitionsliste Monitoring, 2026). Dort umfasst die Netzentgeltabrechnung neben der entnommenen Arbeit auch die in Anspruch genommene Jahreshöchstleistung (Bundesnetzagentur, Definitionsliste Monitoring, 2026). Die genaue Ausgestaltung und Höhe des Leistungspreises richtet sich nach den Vorgaben der Stromnetzentgeltverordnung (StromNEV) sowie den Preisblättern des zuständigen Netzbetreibers (Bundesnetzagentur, 2017).
Warum Netzentgelte für Unternehmen immer relevanter werden
In den letzten Jahren sind die Netzentgelte für Strom deutlich gestiegen. Laut Monitoringbericht 2025 lagen die mengengewichteten Netzentgelte für Haushaltskunden 2024 bei 10,95 ct/kWh, nachdem sie 2020 noch bei 7,10 ct/kWh gelegen hatten (Bundesnetzagentur, Monitoringbericht, 2026). Die Entgelte der Übertragungsnetzbetreiber verdoppelten sich 2024 gegenüber dem Vorjahr, unter anderem weil der Bundeszuschuss zur anteiligen Finanzierung der Übertragungsnetzkosten entfiel (Bundesnetzagentur, Monitoringbericht, 2026). Gründe für den langfristigen Anstieg sind der Netzausbau, die Integration erneuerbarer Energien und neue Stromtrassen im Zuge der Energiewende. Für Unternehmen bedeutet das eine zusätzliche Belastung. Gerade wenn Sie ohnehin mit steigenden Betriebskosten und regulatorischen Anforderungen jonglieren, wiegt jeder weitere Kostenfaktor schwer.
Neben Lastspitzen rückt die Netzdienlichkeit stärker in den Fokus des Lastmanagements. Auch sie gewinnt mit der Energiewende an Bedeutung und bringt neue Herausforderungen und Chancen mit sich. Netzdienlichkeit bedeutet mehr, als nur die maximale Leistungsaufnahme zu begrenzen. Unternehmen sollen in Zeiten geringer Stromerzeugung ihren Verbrauch senken oder Strom einspeisen. Bei Stromüberschuss können sie mehr abnehmen, um das Netz zu stabilisieren. ##
Lastspitzen bedeuten höhere Kosten
Der Strompreis besteht im Wesentlichen aus Grundpreis, Arbeitspreis und Leistungspreis. Letzterer umfasst auch die Netzentgelte, die der Netzbetreiber dem Versorger berechnet. Ein separater Leistungspreis fällt bei leistungsgemessenen Kunden an, also bei Anschlüssen mit registrierender Leistungsmessung (rLM). In der Praxis wird die rLM üblicherweise ab einem Jahresverbrauch von mehr als 100.000 kWh eingesetzt (Bundesnetzagentur, 2010). Die konkrete Zuordnung richtet sich jedoch nach den Vorgaben und Preisblättern des jeweiligen Netzbetreibers.
Bei leistungsgemessenen Anschlüssen wird der Lastgang in 15-Minuten-Intervallen erfasst. Auch bei geringeren Verbräuchen kann eine solche Auflösung vorliegen, sofern ein intelligentes Messsystem verbaut ist (Bundesnetzagentur, Messsysteme, 2025). Der Lastgang zeigt das Verbrauchsverhalten eines Kunden im Zeitverlauf. Grundlage für den Leistungspreis ist der höchste 15-Minuten-Mittelwert des gemessenen Strombezugs. Eine kurzfristige Lastspitze, etwa durch gleichzeitiges Anlaufen mehrerer Maschinen, kann so hohe Kosten verursachen, selbst wenn die Jahreslast im Schnitt niedrig ist. Der Grundsatz: Je höher die Lastspitzen, desto höher die Netzentgelte.
Mit einem Lastmanagement Lastspitzen vermeiden
Ein intelligentes Lastmanagement wird damit zur Schlüsselstrategie gegen steigende Netzentgelte. Denn mit dem richtigen System lässt sich der Stromverbrauch so steuern, dass Lastspitzen gar nicht erst entstehen. Diese verteuern den Strom, unabhängig von ihrer Dauer.
Lastmanagement zahlt sich in vielen Fällen schnell aus. Ein Rechenbeispiel: Liegt der Leistungspreis Ihres Netzbetreibers bei 100 €/kW pro Jahr und Sie senken Ihre Jahreshöchstleistung um 50 kW, sparen Sie 5.000 € jährlich allein beim Leistungspreis. Die tatsächliche Einsparung hängt vom Preisblatt Ihres Netzbetreibers und Ihrem individuellen Lastprofil ab.
Vielseitige Einsatzmöglichkeiten
Lastmanagement lohnt sich nicht nur für Großverbraucher. Auch bei der Eigenstromerzeugung hilft es, den Eigenverbrauch zu optimieren. Zudem ist es sinnvoll bei technischen Einschränkungen, etwa begrenzten Trafokapazitäten, und für netzdienliches Verhalten.
Es kann in unterschiedlichen Bereichen eingesetzt werden, unter anderem:
Ladesäulen: Spitzen im Lastgang verhindern unnötige Kosten
Ohne Lastmanagement können Ladestationen für E-Autos schnell Lastspitzen verursachen und die Stromkosten in die Höhe treiben. Ein intelligentes System kann die Ladeleistung bei drohenden Lastspitzen, begrenzter Anschlussleistung oder je nach Tarif- und Steuerungslogik anpassen. So werden alle Fahrzeuge zuverlässig geladen, ohne die Anschlussleistung zu überschreiten oder den Leistungspreis unnötig zu erhöhen.
Industrieanlagen: „Peak Shaving“
In der Industrie glättet ein Lastmanagement Lastspitzen (sogenanntes Peak Shaving) und senkt so die Leistungspreise. Vernetzte Maschinen wie Belüftungsanlagen, Wärmeöfen, Druckluftaggregate, Pumpen oder Kältespeicher werden dafür automatisch gesteuert. Zusätzlich lässt sich der Verbrauch an Börsenpreise koppeln: In teuren Zeiten nutzen Sie weniger Strom und schöpfen günstige Phasen gezielt aus.
Großküchen: Optimierungspotenziale nutzen
In Großküchen ergeben sich oft unerkannte Optimierungspotenziale. Durch das kurzzeitige Abschalten von Küchengeräten (z. B. Dampfgarer, Durchlauferhitzer oder Klimaanlagen) lassen sich Lastspitzen vermeiden, ohne dass der Prozess beeinträchtigt wird.
PV-Anlagen: Stromlasten verschieben
Betreiber von PV-Anlagen können mit Lastmanagement Stromspitzen abfangen und den Netzanschluss entlasten. Der Verbrauch lässt sich auf Zeiten hoher Eigenproduktion verschieben (Bundesnetzagentur, Solaranlagen, 2025). So sinkt der Netzbezug. Bei starker Solarstrahlung und geringer Nachfrage sinkt der Strompreis auf den Märkten teils auf null oder wird negativ (SMARD, 2025). Je nach Vermarktungs- oder Tarifmodell können Sie durch gezieltes Lastmanagement auch Kosten aus solchen ungünstigen Preisphasen reduzieren.
Stromspeicher: Lastspitzen abfangen und Börsenpreisschwankungen nutzen
Batteriespeicher reduzieren Stromlastspitzen im laufenden Betrieb. Ein Lastmanagement speichert Überschüsse und nutzt sie gezielt, um Spitzen durch energieintensive Verbraucher abzufangen. Zusätzlich lässt sich der Speicher bei niedrigen Preisen laden und in Hochpreiszeiten nutzen. Das kann die Stromkosten senken und die Wirtschaftlichkeit Ihres Betriebs verbessern.
Lösungen für ein optimiertes Lastmanagement
Technische Lösungen wie der Plug&Play-Controller econ peak von econ solutions unterstützen Unternehmen beim Lastmanagement. Das System ist flexibel, erweiterbar und lässt sich in bestehende Energiemanagementsysteme integrieren. Damit vermeiden Betriebe nicht nur Lastspitzen, sondern optimieren auch ihre Netzdienlichkeit.
Fazit
Steigende Netzentgelte und Anforderungen an die Netzdienlichkeit fordern Industrie und Immobilienwirtschaft heraus. Ein intelligentes Lastmanagement, das Maschinen und Anlagen vernetzt und steuert, verhindert Lastspitzen und senkt Stromkosten. Da Planung, Parametrierung und Betrieb eines Lastmanagements standortspezifisch sind, kann die Unterstützung durch einen Energiemanagement-Spezialisten wie econ solutions sinnvoll sein, um Ladelasten gezielt zu steuern und individuelle Systemeinstellungen vorzunehmen.
FAQ – Häufige Fragen zum Lastmanagement
Was ist Lastmanagement und wie funktioniert es?
DLastmanagement steuert den Stromverbrauch eines Unternehmens gezielt so, dass Lastspitzen vermieden werden. Das System erfasst den Verbrauch in Echtzeit und schaltet oder drosselt flexible Verbraucher automatisch, bevor die Leistungsgrenze überschritten wird. So sinkt die Jahreshöchstleistung, die der Netzbetreiber als Grundlage für den Leistungspreis heranzieht (Bundesnetzagentur, Definitionsliste Monitoring, 2026).
Für welche Unternehmen lohnt sich ein Lastmanagement?
Ein Lastmanagement lohnt sich vor allem für Betriebe mit registrierender Leistungsmessung (RLM), also in der Regel ab einem Jahresverbrauch von mehr als 100.000 kWh (Bundesnetzagentur, Definitionsliste Monitoring, 2026). Besonders profitieren Unternehmen mit stark schwankenden Lastprofilen, etwa in der Industrie, in Großküchen oder an Standorten mit Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge. Aber auch Betreiber von PV-Anlagen oder Batteriespeichern können ihren Eigenverbrauch mit einem Lastmanagement optimieren.
Was ist der Unterschied zwischen Lastmanagement und Peak Shaving?
Peak Shaving ist eine Strategie innerhalb des Lastmanagements. Dabei werden gezielt Lastspitzen gekappt, indem flexible Verbraucher kurzzeitig abgeschaltet oder gedrosselt werden. Lastmanagement geht darüber hinaus: Es umfasst auch die zeitliche Verschiebung von Lasten, die Kopplung an Börsenpreise und die netzdienliche Steuerung des Verbrauchs.
Wie wirken sich Lastspitzen auf die Netzentgelte aus?
Was bedeutet Netzdienlichkeit beim Lastmanagement?
Netzdienlichkeit bedeutet, den Stromverbrauch an die aktuelle Situation im Stromnetz anzupassen. In Zeiten geringer Erzeugung senken Unternehmen ihren Verbrauch oder speisen Strom ein. Bei Stromüberschuss nehmen sie mehr ab und stabilisieren so das Netz. Mit der Energiewende und dem wachsenden Anteil erneuerbarer Energien gewinnt netzdienliches Verhalten an Bedeutung (Bundesnetzagentur, Messsysteme, 2025).
Quellenverzeichnis
Bundesnetzagentur (2010): Wettbewerbliche Entwicklungen und Handlungsoptionen im Bereich Zähl- und Messwesen und bei variablen Tarifen [Abrufdatum: 08.07.2026]
Bundesnetzagentur (2017): Netznutzungsvertrag (Entnahme), NNV u. LRV Strom [Abrufdatum: 08.07.2026]
Bundesnetzagentur (2025): Messeinrichtungen / Intelligente Messsysteme [Abrufdatum: 08.07.2026]
Bundesnetzagentur (2025): Solaranlagen und andere EE-Anlagen [Abrufdatum: 08.07.2026]
Bundesnetzagentur (2026): Monitoringbericht 2025 [Abrufdatum: 08.07.2026]
Bundesnetzagentur (2026): Definitionsliste, Fragebögen Datenerhebung Monitoring Energie [Abrufdatum: 08.07.2026]
SMARD (2025): Herausforderung Solarspitzen [Abrufdatum: 08.07.2026]




