Holzartige Brennstoffe als Alternative
Der Anteil fossiler Energien liegt in der deutschen Industrie noch bei über 50 Prozent (Umweltbundesamt, 2024). Die thermische Verwertung biogener Reststoffe kann für geeignete industrielle Anwendungen eine Alternative zu Kohle, Erdgas und Heizöl in der Prozesswärmebereitstellung sein. Biomasse kann in allen energierelevanten Sektoren eingesetzt werden, auch zur Erzeugung von Prozesswärme in der Industrie (Umweltbundesamt, o. J.). Erneuerbare Energien verdrängen in vielen Bereichen fossile Energieträger und vermeiden dadurch Treibhausgasemissionen; im Wärmesektor trägt vor allem die Nutzung fester Biomasse (vor allem Holz) zur Vermeidung von Treibhausgasen bei (Umweltbundesamt, o. J.). Je nach Anlagenauslegung lassen sich dabei auch höhere Temperaturniveaus erreichen. Voraussetzung ist ein gesichertes regionales Brennstoffaufkommen, das zu Wärmebedarf und Logistik des jeweiligen Standorts passt.
Günstige Reststoffe verbrennen
Für die Erzeugung von Prozesswärme können je nach Brennstoffqualität und genehmigungsrechtlichen Vorgaben unter anderem Landschaftspflegeholz sowie bestimmte Altholzfraktionen als Brennstoff infrage kommen. Dabei wird der Umstand genutzt, dass Holz an vielen Orten quasi als Abfall anfällt: bei der Landschaftspflege, als Verschnitt in der Sägeindustrie oder eben als Altholz. Die rechtlichen Anforderungen an die Verwertung und Beseitigung von Altholz regelt die Altholzverordnung (AltholzV) (Gesetze im Internet, 2002). Grundsätzlich gilt nach Abfallhierarchie, dass Abfälle vorrangig zu verwerten sind; die Verwertung hat Vorrang vor der Beseitigung (Gesetze im Internet, o. J.). Altholz darf zur stofflichen und energetischen Verwertung nur in den Verkehr gebracht werden, um es einer Altholzbehandlungsanlage zuzuführen; Altholz, das nicht verwertet wird, ist zum Zwecke der Beseitigung einer dafür zugelassenen thermischen Behandlungsanlage zuzuführen (Gesetze im Internet, 2002). Landschaftspflegeholz zählt zu den sekundären Holzquellen und wird häufig energetisch genutzt, insbesondere wenn eine hochwertige stoffliche Verwertung aufgrund von Qualität und Aufbereitung nicht wirtschaftlich naheliegt (Umweltbundesamt, 2014). Neben Verschnitt fällt in der Sägeindustrie Sägemehl an, das wahlweise zu Spanplatten weiterverarbeitet wird oder ebenfalls als Brennstoff, in Form von Pellets, genutzt werden kann.
Hohe Flexibilität bei der Wahl der Brennstoffe
Je nach Projekt kann es sinnvoll sein, Biomasse-Heiz(kraft)werke (kurz: BMH(K)W) auf eine hohe Brennstoffflexibilitätauszulegen. So lässt sich auf schwankende Verfügbarkeiten und Preisentwicklungen am Markt reagieren.
BMH(K)W sind in ihrem Aufbau komplexer als eine konventionelle Kesselanlage. Biomasseanlagen eignen sich besonders für Anwendungen mit konstantem oder gut prognostizierbarem Wärmebedarf. Die Auslegung sollte daher anhand der konkreten Lastgänge individuell geplant werden. Neben dem Kessel selbst gibt es Subsysteme wie Brennstoff- und Aschelogistik sowie die Abgasanlage (Multizyklon, Filter, Harnstoffeindüsung u. a.).
Für die Errichtung eines BMH(K)W kann ein Contracting-Modell sinnvoll sein. Dabei übernimmt ein Contractor je nach Vertragsgestaltung Leistungen von der Planung bis zum Betrieb. MVV Enamic bietet als B2B-Lösungseinheit der MVV Energie AG unter anderem Contracting-Lösungen sowie Dampf-, Wärme- und Kälteversorgung an. Das modulare Portfolio umfasst dabei Analyse, Planung, Finanzierung, Bau, Brennstofflogistik und Betrieb.
Im Rahmen des Contractings kann der Contractor auch die laufende Brennstofflogistik und die Organisation der Ascheentsorgung übernehmen. Das kann den internen Aufwand für Planung, Betrieb und Brennstoffmanagement deutlich reduzieren.
Attraktiv durch staatliche Förderung
Gut zu wissen: Auch in einem Contracting-Modell lassen sich Fördermittel nutzen. Die Bindung der Förderung ist dabei an das jeweilige Vertragsmodell geknüpft (dena, 2024). Je nach Vertragsgestaltung kann der Contractor Teile der Fördermittelkoordination und des Genehmigungsmanagements übernehmen. Beim Energieliefer-Contracting etwa trägt der Contractor typischerweise Investition und Anlagenbetrieb (dena, 2024).
Die BAFA fördert unter anderem Maßnahmen zur Prozesswärmeerzeugung aus erneuerbaren Energien (BAFA, 2024). Im Rahmen des EEW-Moduls 2 können förderfähige Investitionen für Prozesswärme aus erneuerbaren Quellen bezuschusst werden. Voraussetzung ist unter anderem, dass mehr als 50 Prozent der mit der geförderten Anlage bereitgestellten Energie als Prozesswärme genutzt wird (BAFA, 2025). Die Höhe der Förderung bezogen auf die Kosten der förderfähigen Investition beträgt bei kleinen Unternehmen 60 %, bei mittleren Unternehmen 50 % und bei Unternehmen ohne KMU-Status 40 %; für Biomassefeuerungsanlagen gelten reduzierte Fördersätze (BAFA, 2025).
Bei geeigneter Auslastung und abhängig von Brennstoff-, Investitions- und CO₂-Kosten kann die Wärmeerzeugung aus Biomasse wirtschaftliche Vorteile gegenüber einer konventionellen Erdgasversorgung bieten. Ob und in welchem Umfang sich Wärme-Contracting auf Biomassebasis kostenseitig lohnt, hängt vom konkreten Lastprofil, der Brennstoffbeschaffung und dem Vertragsmodell ab.
Weniger abhängig von globalen Lieferketten
Bei gesicherter regionaler Brennstoffbasis können Sie Ihre Abhängigkeit von internationalen Energiemärkten spürbar reduzieren. Regionale, nachwachsende Biomasse stärkt die Versorgungssicherheit Ihres Betriebs, sofern Verfügbarkeit, Preise und Logistik vor Ort stimmen. Die Lagerkapazität sollte projektbezogen so ausgelegt werden, dass Versorgungsunterbrechungen durch Anliefer- und Betriebsrisiken abgefedert werden können (FNR, o. J.). Aus wirtschaftlichen und ökologischen Gründen sind möglichst kurze Transportwege vorteilhaft (FNR, o. J.). Die Brennstoffverfügbarkeit und die Logistik sollten standort- und projektspezifisch geprüft werden.
Luftreinhaltung und Ascheentsorgung im Blick
Bei der Verbrennung holzartiger Brennstoffe spielen Luftreinhaltung und ordnungsgemäße Ascheentsorgung eine zentrale Rolle. Moderne Rauchgasreinigungsanlagen tragen dazu bei, Restemissionen wie Feinstaub zu reduzieren.
Die bei der Verbrennung anfallenden Holzaschen gelten rechtlich als Abfall, nicht als Düngemittel (FNR, o. J.). Ihre Verwertung oder Beseitigung unterliegt einem komplexen Rahmen aus Kreislaufwirtschaftsrecht, Düngerecht und Bodenschutzrecht (Bayerisches Landesamt für Umwelt, 2009). Eine bodenbezogene Verwertung, etwa im Landschaftsbau oder in der Waldwirtschaft, ist nur im Einzelfall und unter strengen rechtlichen Voraussetzungen zulässig (LWF, o. J.). Belastete Aschen sind entsprechend ihrer abfallrechtlichen Einstufung und den geltenden Entsorgungsanforderungen zu behandeln.
Fazit
Erfahrene Contractoren können eine Wärme- bzw. Dampfversorgung auf Basis von Holz mit umfangreichen Leistungen anbieten: von der Planung über die Finanzierung bis hin zum laufenden Betrieb. Je nach Vertragsgestaltung übernimmt der Dienstleister dabei auch die Brennstoffbeschaffung und den Anlagenbetrieb über die vereinbarte Vertragslaufzeit. Nach Ablauf des Contracting-Vertrags kann je nach Vertragsgestaltung eine Übernahme- oder Kaufoption vorgesehen sein (Verbraucherzentrale, 2026). Für den Weiterbetrieb nach Vertragsende sollten Sie frühzeitig Regelungen zu Betriebsführung, Verantwortlichkeiten und Know-how-Transfer treffen.
Quellenverzeichnis
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BAFA (2024): Energy & Climate Protection, BAFA. [Abrufdatum: 06.07.2026]
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BAFA (2025): Modul 2: Prozesswärme aus Erneuerbaren Energien. [Abrufdatum: 08.07.2026]
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BAFA (2025): Merkblatt Modul 2 – Prozesswärme aus Erneuerbaren Energien (EEW). [Abrufdatum: 08.07.2026]
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Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) (o. J.): Eigenschaften von Holzaschen und Möglichkeiten der Wiederverwertung im Wald. [Abrufdatum: 06.07.2026]
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Bayerisches Landesamt für Umwelt (2009): Merkblatt Verwertung und Beseitigung von Holzaschen. [Abrufdatum: 06.07.2026]
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dena (2024): Stadtwerke als zentrale Player für die Transformation. [Abrufdatum: 06.07.2026]
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dena (2024): dena-LEITFADEN Energieliefer-Contracting (ELC). [Abrufdatum: 06.07.2026]
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Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) (o. J.): Düngen mit Asche aus der Verbrennung von Holz und Stroh. [Abrufdatum: 08.07.2026]
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Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) (o. J.): Hackschnitzelheizungen – Was muss aktuell beachtet werden?. [Abrufdatum: 08.07.2026]
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Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) (o. J.): Holzhackschnitzel. [Abrufdatum: 08.07.2026]
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Gesetze im Internet (2002): Verordnung über Anforderungen an die Verwertung und Beseitigung von Altholz (Altholzverordnung – AltholzV). [Abrufdatum: 08.07.2026]
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Gesetze im Internet (o. J.): Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) – § 6 Abfallhierarchie. [Abrufdatum: 08.07.2026]
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Umweltbundesamt (2014): Ökologische Innovationspolitik, Mehr Ressourceneffizienz und Klimaschutz durch nachhaltige stoffliche Nutzungen von Biomasse (TEXTE 01/2014). [Abrufdatum: 06.07.2026]
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Umweltbundesamt (2024): Energiesparen in Industrie und Gewerbe. [Abrufdatum: 06.07.2026]
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Umweltbundesamt (o. J.): Bioenergie. [Abrufdatum: 08.07.2026]
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Umweltbundesamt (o. J.): Erneuerbare Energien – Vermiedene Treibhausgase. [Abrufdatum: 08.07.2026]
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VDI (2023): Gefahren bei der Lagerung von Holzhackschnitzeln vermeiden. [Abrufdatum: 08.07.2026]
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Verbraucherzentrale (2026): Energie-Contracting: Was Sie beim Vertragsabschluss beachten sollten. [Abrufdatum: 08.07.2026]
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