Biomasse: Nachhaltiger Brennstoff für Ihre Wärme- und Stromversorgung?

Steigende CO₂-Preise und staatliche Förderprogramme machen biogene Brennstoffe für Unternehmen zunehmend wirtschaftlich interessant. Ob sich die Umstellung auf ein Biomasse-Heiz(kraft)werk für Ihren Betrieb rechnet, hängt vom konkreten Anwendungsfall, dem jeweiligen Förderprogramm und den geltenden Nachweispflichten ab. Erfahren Sie hier, welche Kostenpotenziale realistisch sind und mit welchen Fördermöglichkeiten Sie rechnen können.

5 Min.
21. Januar 2021
blog-teaser_Biomasse Nachhaltiger Brennstoff für Ihre Wärme- und Stromversorgung

Klimaschutz mit erneuerbaren Energien

Der Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung legte das Ziel einer weitgehenden Treibhausgasneutralität bis 2050 fest (Bundesregierung, 2016). Dieses Zieldatum ist inzwischen überholt: Das Bundes-Klimaschutzgesetz verpflichtet Deutschland, Netto-Treibhausgasneutralität bis 2045 zu erreichen (Umweltbundesamt, 2024a). Das Ziel gilt sektorenübergreifend, also nicht nur für die Energieerzeugung. Auf dem Weg dorthin sollen die Emissionen bis 2030 um mindestens 65 % und bis 2040 um mindestens 88 % gegenüber 1990 sinken (Umweltbundesamt, 2024a).

Der Ausbau der erneuerbaren Energien bleibt eine wesentliche Säule dieser Strategie. Für die Einordnung der Entwicklung verweist das Umweltbundesamt auf aktuelle Kennzahlen zu erneuerbaren Energien in Deutschland (Umweltbundesamt, 2026). Bioenergie aus Holz, Energiepflanzenanbau oder Reststoffen wie Stroh, Biomüll und Gülle ist dabei ein wichtiger Baustein.

Biomasse

BEHG macht biogene Brennstoffe wettbewerbsfähiger

Um ihre Klimaschutzziele zu erreichen, hat die Bundesregierung ab 2021 eine massive CO2-Bepreisung für fossile Brennstoffe eingeführt.

Für Unternehmen bedeutet das konkret: Die Wärmeerzeugung aus fossilen Brennstoffen wie Kohle, Erdgas, Flüssiggas oder Heizöl wird durch das Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) laufend teurer. Biogene Brennstoffe können dagegen unter bestimmten Voraussetzungen mit einem CO₂-Emissionsfaktor von null angesetzt werden und fallen damit nicht unter die CO₂-Bepreisung. Das senkt die laufenden Energiekosten direkt und macht die Kalkulation planbarer. Voraussetzung ist die Erfüllung der einschlägigen Nachhaltigkeits- und Nachweisanforderungen; für Bestandsanlagen regelt dies die DEHSt (Deutsche Emissionshandelsstelle) im Rahmen ihrer Merkblätter zur Biomasse-Nullansetzung (DEHSt, 2025). Setzen Sie beispielsweise Hackschnitzel oder Pellets statt Erdgas oder Heizöl ein, lassen sich die Brennstoffkosten je nach Marktlage und Lieferkette zusätzlich stabilisieren. 

Biomasse als Brennstoff: nachhaltig und erneuerbar

Als biogene Festbrennstoffe werden hauptsächlich Reststoffe verwendet – also Biomasse, die zu anderen Zwecken als für die Verbrennung kaum geeignet ist. Hierzu zählen beispielsweise Wald- und Industrierestholz, Altholz, Garten- und Parkabfälle und Stroh. 

Vorzüge biogener Festbrennstoffe

  1. Biomasse lässt sich in zentralen und dezentralen Anlagen thermisch verwerten und kann erneuerbare Energie bei relativ hohen Temperaturen bereitstellen. Sie eignet sich u.a. für Prozessdampf / Prozesswärme in der Industrie, für Heißwasser in Industrie oder in Krankenhäusern und zur Warmwasserbereitung im Nahwärmenetz von Kommunen und Quartieren.
  2. Biomasse kann bei nachhaltiger Bewirtschaftung und entsprechender Nachweisführung bilanziell als treibhausgasarm eingestuft werden. Bei Holz wird häufig auf den biogenen Kohlenstoffkreislauf abgestellt: Das bei der Verbrennung freigesetzte CO₂ wurde zuvor während des Baumwachstums gebunden. Die tatsächliche Klimawirkung hängt jedoch auch von Herkunft, Aufbereitung, Transport und regulatorischer Einordnung ab (Umweltbundesamt, 2024c). Regulatorisch wird die energetische Holznutzung uneinheitlich behandelt: Im Rahmen der nationalen und europäischen Klimaziele (LULUCF-Sektor) wird die Holzentnahme ausdrücklich als Belastung des Treibhausgasbudgets bilanziert, während sie in den Sektoren, die Holz energetisch nutzen, lediglich informatorisch – ohne Anrechnung auf das jeweilige Emissionsbudget – ausgewiesen wird. Auch im Emissionshandel gilt keine pauschale Emissionsfreiheit: Im europäischen Emissionshandel (TEHG) wird Biomasse nur dann mit einem Emissionsfaktor Null angesetzt, wenn sowohl die Nachhaltigkeits- als auch die Treibhausgaseinsparungskriterien der Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED, Art. 29 f.) erfüllt und in der Anlagengenehmigung nachgewiesen sind. Im nationalen Emissionshandel (BEHG) genügt dagegen für Bestandsanlagen teilweise bereits die Einhaltung der Treibhausgaseinsparungskriterien, ohne dass die Nachhaltigkeitskriterien geprüft werden. Das Umweltbundesamt bilanziert daher vermiedene Emissionen differenziert nach Brennstoffen und Referenzsystemen (Umweltbundesamt, 2025a).
  3. Biomasse ist ein nachwachsender Rohstoff, der bei nachhaltiger Bewirtschaftung beständig bereitsteht. Je nach Region und Brennstoffherkunft können Transportwege kürzer ausfallen als bei fossilen Energieträgern. Zertifizierte biogene Brennstoffe können zur Erreichung einzelner UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) beitragen. Ihre Wirkung hängt jedoch vom konkreten Rohstoff, der Lieferkette und dem Einsatzkontext ab (Umweltbundesamt, 2019). So zeigen internationale Fallstudien, dass Biomasse-Lieferketten je nach Rohstoff unterschiedliche SDGs berühren: Forstbioenergie ist beispielsweise eher mit SDG 15 (Leben an Land) verknüpft (IEA Bioenergy, 2021). Auch Zertifizierungssysteme weisen Vorteile und Grenzen auf, deren Wirkung von Region und Lieferkette abhängt (UNCTAD, 2010).
  4. Biomasse ist rund um die Uhr verfügbar und flexibel einsetzbar.

Wie wird die Wärme- und Stromerzeugung aus Biomasse gefördert?

Wer seine Energieerzeugung auf ein Biomasse-Heiz(kraft)werk umstellt, kann von staatlicher Förderung profitieren. Die BAFA fördert im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) den Einbau von Biomasse-Heizkesseln in Nichtwohngebäuden (BAFA, 2026). Über die KfW stehen zinsgünstige Kredite mit Tilgungszuschuss zur Verfügung, etwa im Programm 263 für Nichtwohngebäude (KfW, 2026). Speziell für Prozesswärme aus erneuerbaren Energien fördert die KfW im Modul 2 des Programms 295 unter anderem Biomasse-Feuerungsanlagen mit Tilgungszuschüssen von 20 bis 40 Prozent der Investitionsgesamtkosten, abhängig von der Unternehmensgröße (KfW Bankengruppe, 2025). Die konkrete Förderhöhe richtet sich jeweils nach Programm, Maßnahme, Effizienzstandard und förderfähigen Mehrkosten. Prüfen Sie die jeweils aktuellen Programmbedingungen bei KfW oder BAFA.

Was wird gefördert?

  • Biomasse-(KWK)-Projekte mit Brennstofflager, Fördersystemen, Peripherie und Einhausung
  • Machbarkeitsstudie, Planung, Baumaßnahmen, Umsetzung etc.

Welche Brennstoffe werden gefördert?

  • Holzhackschnitzel, Pellets, Landschaftspflegeholz LPM
  • Rinde, Späne, Schleifstaub
  • Altholz
  • Siebüberläufe und biogene Produktionsreste

Welche Brennstoffe im Einzelfall förderfähig sind, hängt vom jeweiligen Programm und den technischen Anforderungen ab. Prüfen Sie die aktuellen Förderbedingungen bei BAFA oder KfW.

Zu wem passt eine Wärme-/Stromversorgung auf biogener Basis?

Bei der Investition in ein Biomasse-Heiz(kraft)werk sollten Unternehmen, Einrichtungen oder Kommunen folgende Parameter prüfen:

  • Wärmebedarf (Auslastung)
    Hat Ihr Betrieb oder Ihre Einrichtung einen kontinuierlich hohen Wärmebedarf?
    Biogen befeuerte Anlagen können eher eine Grundlastwärme bereitstellen. Es ist stets sinnvoll ganzheitliche und technologieoffene Betrachtungen vorzunehmen.
  • Stoffstrommanagement (Optimierung der Kosten)
    Haben Sie einen spezialisierten Einkauf? So lassen sich beispielsweise Zwischenlagerkosten einsparen, wenn Holz direkt vom Wald in das Heizwerk geliefert werden kann. Einfluss auf die Kosten hat zudem, in welcher Qualität das Holz angeliefert (z.B. trocken) und wie die Asche entsorgt wird.
  • Platzbedarf
    Ist genügend Platz für ein Lager vorhanden? Falls nicht, muss der Lagerbestand im Laufe des Jahres entsprechend oft nachgefüllt werden. Das erhöht die Lieferkosten.
  • Brennstoffpreis
    Was kostet zum Beispiel 1 MWh aus Holz? Individuell zu prüfen ist, ob der Brennstoffpreis auf lange Sicht günstiger ist als Erdgas.

Dampf aus fester Biomasse: unter bestimmten Voraussetzungen von der CO2-Bepreisung ausgenommen

Biomasse kann technisch in vielen dampfintensiven Industrieprozessen fossile Brennstoffe vollständig ersetzen. Damit lassen sich dampfintensive Verfahren wie Trocknen, Sterilisieren, Reinigen, Blanchieren oder Waschen auf Basis nachwachsender Rohstoffe realisieren. Ob biogene Brennstoffe bei der CO2-Bepreisung mit null Emissionen angesetzt werden dürfen, ist nach geltendem Recht allerdings an bestimmte Nachhaltigkeitsanforderungen und deren ordnungsgemäßen Nachweis geknüpft. Prüfen Sie daher frühzeitig, welche Kriterien Ihr konkreter Brennstoff und Ihre Anlage erfüllen müssen.

Ergänzend zum Ausbau erneuerbarer Energien haben Sie die Chance, durch bessere Energieeffizienz den Verbrauch fossiler Brennstoffe deutlich zu senken. Das reduziert sowohl den CO2-Ausstoß als auch Ihre Energiekosten.

Dekarbonisierung hat bereits heute viele Facetten: Wärmepumpen ergänzen die Wärmebereitstellung, Photovoltaik- und Windstrom sind auf dem Vormarsch. Aus grünem Strom entsteht Wasserstoff oder grünes Methan. Durch intelligente Sektorkopplung und bessere Speichertechnologien werden Erdgas, Öl und Kohle schrittweise zurückgedrängt. Beschleunigt wird dieser Wandel durch wirksame Preissignale, Skalierungseffekte und den entschlossenen Willen von Gesellschaft und Politik.

Fazit

Biomasse-Heiz(kraft)werke werden durch steigende CO₂-Preise und staatliche Förderung zunehmend wirtschaftlich attraktiv. Wer die Nachhaltigkeitsanforderungen erfüllt, setzt biogene Brennstoffe im Emissionshandel mit null Emissionen an und spart damit laufende CO₂-Kosten. Förderprogramme von KfW und BAFA decken zusätzlich einen erheblichen Teil der Investitionskosten ab. Ob sich die Investition im Einzelfall rechnet, hängt von der Auslastung, dem Brennstoffpreis und der Integration in die bestehende Versorgungsstruktur ab. Holen Sie sich deshalb am besten einen Planer mit dem nötigen Know-how an Bord. Im Zusammenhang der dargestellten Facetten ist auch die Umsetzung im Contracting möglich. Interessiert? Sprechen Sie uns gerne an.

Quellenverzeichnis

Topics: Wärmeversorgung
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